Mode, Fotografie und der Tod

Gestern Nacht lag ich ein wenig länger wach: mich beschäftigte die eigentümliche und dabei so naheliegede Nähe der Mode und der Fotografie: beide bergen in ihrem Kern den Tod.

Die Fotografie, naturgegeben, da sie ein Stück aus dem Jetzt reißt und es für die Nachwelt zur Verfügung stellt, und die Mode, da sie den Tod herausfordert, folgt man Walter Benjamin:

“Das brennendste Interesse an der Mode liegt für den Philosophen in Ihren außergewöhnlichen Antizipationen kraft der unvergleichlichen Witterung, die das weibliche Kollektiv für das hat, was in der Zukunft bereitliegt. Sie kitzelt den Tod und ist schon eine andere, neue, wenn er nach ihr sich umsieht, um sie zu schlagen”

Was für ein brilliante Idee! Die Mode dient der Überwindung des Todes, indem sie immer neu ist, immer anders, sie kommt mit den Jahreszeiten, ist jedoch nicht vorhersehbar wie diese. Ein Schnippchen der Zeit schlagend und sich immer wieder neu präsentierend. Eigenartig, wie sich die Fotografie dazu verhält, als eben ein rettendes, bewahrendes, unflüchtiges Medium, das dieses neue dann in eine Form gießt und still stellt. Gleichsam doch damit tötet. Ist Mode also das, was vor der Fotografie kommt?

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